Hightech für Superkühe

Die Mikrodosieranlage ermöglicht die computergesteuerte Beimischung kleinster Mengen. |
Almarai ist der grösste integrierte Milchwirtschaftskonzern der Welt. 1976 vom Prinzen Sultan bin Mohammed bin Saud Al Kabeer gegründet, expandierte der saudische Konzern in atemberaubendem Tempo. Lag im Jahr 2006 der Umsatz noch bei 2,8 Milliarden saudischen Rial, wird in der Konzernzentrale in Riad für das laufende Jahr bereits ein Umsatz von 3,8 Milliarden SAR oder rund 1 Milliarde US-Dollar budgetiert.
86 000 Tiere, 140 Produkte
Die Tierfarmen von Almarai befinden sich alle mitten in der saudi-arabischen Wüste in einem Korridor zwischen den Städten Al Kharj und Harrad rund 150 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Riad. Auf den verschiedenen Farmen werden insgesamt 50 500 Milchkühe und 35 500 Rinder der deutschen Holsteiner Rasse gehalten. Die 86 000 Tiere stehen in vollautomatisierten und klimatisierten Ställen. Sie werden rund um die Uhr von Fachleuten betreut und von Veterinären überwacht. Insgesamt beschäftigt Almarai über 8000 Angestellte. Das Melken erfolgt ebenfalls automatisch und unter extrem hygienischen Bedingungen. Pro Tag werden auf den verschiedenen Farmen insgesamt über 100 000 Melkvorgänge gezählt. Die Milchkühe von Almarai sind unter diesen hoch technisierten Bedingungen sehr produktiv und erzielen eine durchschnittliche Leistung von 12 400 Liter Milch pro Jahr.
Diese Unmengen von Milch werden in den Produktionsbetrieben des Konzerns zu über 140 verschiedenen Milchprodukten verarbeitet. Von den zahlreichen Verteilzentralen aus beliefern 1000 konzerneigene Lastwagen tagfrisch rund 34 000 Läden in den Ländern der GCC-Region (Persian Gulf Cooperation Council). Almarai gilt auf der Arabischen Halbinsel als Marktleader mit einem Marktanteil von rund 50% im Frischmilchbereich.
Eigenes Futter
Das Futter für die 86 000 Tiere stellt der Konzern Almarai selber her. Die Basis bilden Maisflocken, welche Almarai auf zwei grossen Flockieranlagen ebenfalls selbst herstellt. Beigemischt werden Heu aus lokal angebautem Alfalfa, Ölschrot, Melasse und ein Premix aus diversen Mineral- und Zusatzstoffen.
Die Herstellung dieses hoch angereicherten Futterzusatzes erfolgt seit März 2007 auf einer modernen Premix-Anlage von Bühler. Jürg Solenthaler, Area Manager des Bühler Geschäftsbereiches Futter & Öl, erinnert sich gerne an den Auftrag von Almarai zum Bau der Grossanlage mitten in der Wüste in der Nähe von Al Kharj. «Erste Kontakte fanden im Jahr 2002 statt. Den defi nitiven Auftrag erhielten wir im September 2005. Ein Jahr später begannen wir mit der Montage. Im Januar 2007 konnten wir die ganze Anlage in Betrieb nehmen und mit der Schulung des Personals beginnen. Im März 2007 wurde die Anlage endgültig an Ramakrishna Setty K.T. übergeben, der bei Almarai für die Premix-Produktion zuständig ist.»
Acht Tonnen in der Stunde
Bei der neuen Premix-Anlage von Almarai handelt es sich um eine vollautomatische, komplett von Bühler gebaute Anlage. Pro Stunde können acht Tonnen Futtermittelzusatz gemischt werden. Die Anlage besteht aus der Annahmesektion für die Rohmaterialien, einer grossen Zahl von Silos für die Lagerung der bis zu 30 Komponenten der Almarai-Premix-Mischung, der Vermahlung für die Zubereitung des Trägerstoffes, der Dosier- und Mischeinheit als Zentrum der Premix-Anlage sowie der Absack- und Abpackeinrichtung inklusive Palettieranlage. Die gesamte Anlage ist computergesteuert und in einem vom Kunden erstellten Stahlbau von rund 32 Metern Höhe untergebracht. Auf dieser Hightech-Anlage wird in Chargen von einer Tonne die «Mineralstofftablette in Pulverform» für die Kühe und Rinder hergestellt, wie Jürg Solenthaler erklärt. «Die Anlage muss dauernd verfügbar sein, weil die Mischungen täglich frisch hergestellt werden.»
Kundennutzen
Die Mischung der je nach Rezeptur bis zu 30 Komponenten erfolgt vollautomatisch. «Unsere Anlage mischt selbst kleinste Mengen vollautomatisch bei», erläutert Jürg Solenthaler. «Einerseits um jederzeit die Rückverfolgbarkeit zu ermöglichen und andrerseits um die garantierte Genauigkeit zu erreichen.» Bühler garantiert für seine Premix-Anlagen eine Mischgenauigkeit mit einem Variationskoeffizienten CV (vgl. Kasten «Variationskoeffizient») von <5%.
Die Inbetriebnahme der neuen Premix-Anlage erlaubte es Almarai, die bisherige manuelle Anlage bei Riad, welche den Anforderungen bezüglich Leistung und Qualitätssicherung nicht mehr genügte, stillzulegen. Zudem verringert die Verlegung der Premix-Herstellung direkt zu den Farmen die Transportkosten massiv. Schliesslich machen die vergrösserten Kapazitäten Almarai von Lieferungen von Drittfirmen unabhängig. Die neue Premix-Anlage bringt Almarai neben der Verbesserung der Premix-Qualität auch in organisatorischer Hinsicht Erleichterungen: Sie erlaubt das TQM (Total Quality Management), vereint durch die volle Integration alle Verarbeitungsphasen vor Ort und inhouse, ermöglicht kurze Reaktionszeiten und eine sehr kleine Lagerhaltung.
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