Exakt ausgelegt
Richtige Dimensionierung von Prozessschnecken
In der Prozesstechnik sind kontinuierliche Verfahren weiter auf dem Vormarsch. Ob in der
Chemieindustrie, der Lebensmitteltechnik
oder in der Umweltindustrie,
thermische Prozesse sind integrative Bestandteile von vielen Produktionsverfahren. Prozessschneckenübernehmen dabei viele Rollen, sie werden
etwa zum Kühlen, Heizen, Mischen,
Kristallisieren und Trocknen eingesetzt. Die
wichtigste Voraussetzung für deren reibungslosen Einsatz ist die richtige Auslegung.

Die Prozessschnecken kombinieren mehrere Verfahrensschritte. Im Bild sieht man eine Vierfachschnecke (links) und eine Zweifachschnecke.
Jeder Prozess hat seine Eigenheiten, daher
müssen Prozessschnecken ganz
spezifisch an die jeweilige Aufgabe angepasst
werden. Die Auslegung von Prozessschnecken
basiert auf vielen Verfahrensparametern,
beispielsweise dem Produktdurchsatz,
der Feuchte, den Temperaturen,
der spezifischen Wärmekapazität
und natürlich den allgemeinen Gesetzen
der Thermodynamik und Fördertechnik.
Eingekoppelt werden hier produktspezifische
Erfahrungswerte zum Beispiel hinsichtlich
des Wärmeübergangs und der Fördereigenschaften. Sollte weder aus der
Literatur noch aus der gängigen Praxis ein
hinreichendes Zahlenmaterial zur Verfügung
stehen, können produktspezifische
Parameter mit Hilfe von Versuchsanlagen
ermittelt werden.
Das Unternehmen Segler Förderanlagen
hat die thermodynamischen Berechnungsverfahren
zur Auslegung von
Prozessschnecken aus den physikalischen
Zusammenhängen von Wärmetauschern hergeleitet.
Bei den Wärmetauschvorgängen
zwischen dem Fördergut in einer Prozessschnecke
und dem verwendeten Heizoder
Kühlmedium handelt es sich um
annähernd vergleichbare thermodynamische
Vorgänge.
Vorgehensweise
zur Dimensionierung
Prozessschnecken werden für ein bestimmtes
Produkt und für die geforderte
Durchsatzleistung mit der entsprechenden
Kühl- oder Heizleistung ausgelegt. Dieübertragbare Kühl-/Heizleistung ist abhängig
von:
- Stoffdaten,
- Prozessdaten,
- Anlagengeometrie.
Da die Wärmetauscherleistung bei Prozessschnecken
durch den Kontakt des
Produktes mit den effektiv wirksamen
Wärmetauscherflächen übertragen wird,
ist für dieses Produkt – mit den produktspezifischen
thermodynamischen Produkteigenschaften– die notwendige Kühl
/Heizfläche zu ermitteln.
Die übertragbare Kühl-/Heizleistung
wird neben der Größe der Kühl-/Heizfläche
von der wirksamen Temperaturdifferenz
zwischen Produkt und Kühl-/Heizmedium
vorgegeben. Da das Temperaturniveau
des Kühl-/Heizmediums in der Regel
von einem innerbetrieblichen Kühl-
Heizkreislaufsystem abhängt, verbleibt
als Auslegungsvariable die erforderliche wirksame
Kühl-/Heizfläche.
Die Fördereigenschaften bestimmen die
Auswahl des Förderorgans. Als Schneckenförderorgan
können Schneckenwellen
mit verschiedenen Flügelarten und
Paddelelementen bestückt werden. So bieten
doppelwandige geschlossene Schneckengänge
die effektivste Wärmetauschfläche.
Vollschnecken in Verbindung eines
mit Kühl-/Heizflüssigkeit durchflossenen
Schneckenrohres wirken nur teilweise
als Wärmetauscherflächen. Paddelorgane
fördern die Durchmischung des
Produktes.
Das spezifische Gewicht und die Fließeigenschaften
des Produktes wirken sich
ebenfalls auf die Schneckengeometrie
aus. Bei stark haftenden Produkten wird
der Einsatz von Doppelschnecken erforderlich.
Mit einem Spezialantrieb lassen
sich diese auch selbstreinigend ausführen.
Die Produkteigenschaften geben im
bestimmten Rahmen auch den realisierbaren
Füllungsgrad der Förderschnecke
und damit die wirksame effektive Wärmetauschfläche
der Prozessschnecke vor.
Die Neigung der gesamten Schneckenanlage
hat durch den Rückflusseffekt einen
Einfluss auf die Vermischung des Produktes.
Thermodynamische
Berechnung
Nachdem man eine Schneckengeometrie
gewählt hat, lässt sich die wirksam effektive
Wärmeaustauschfläche berechnen.
Die Größen zur Kennzeichnung von
Wärmetauschern lassen sich wie folgt
aufstellen:
- Massenströme mPkt als die durchgesetzten Massen pro Zeiteinheit,
- Wärmekapazitätsstrom eines Massenstromes
als Produkt des Massenstromes
und seiner spezifischen Wärmekapazität cP,
- die Eintrittstemperaturen t1' und t2' sowie die Austrittstemperaturen t1" und t2",
- die Abkühlung (t1'-t1") des wärmeren
Massenstromes sowie die Aufwärmung (t2"- t2') des kälteren Massenstromes,
- der Eintritts-Temperaturabstand (t1'- t2') als größter Temperaturabstand zwischen
den Massenströmen,
- Wärmetauscher-Kennzahlen NTU1 = k·A/WPkt1, Mitteltemperatur tm als
arithmetisches Mittel der Ein- und Austrittstemperaturen
der Massenströme zur
Bestimmung der Stoffkenngrößen wie
Dichte, spezifische Wärmekapazität, Wärmeleitfähigkeit,
Viskosität,
- Betriebsdrücke p zur Bestimmung der
Stoffgrößen,
- wirksame logarithmische Temperaturdifferenz
tlog= 1 {(t1'-t2')-(t1’’-t2’’)}/In ((t1'-t2")/(t1"-t2'))
Bestimmen
der Wärmeleistung
Die Wärmeleistung QPkt, eines Wärmetauschers
lässt sich vereinfachend darstellen
über das Produkt aus Wärmedurchgangskoeffizient
k, die dazugehörige
Wärmetauschfläche A und einem wirksamen,
Temperaturabstand tlog als:
QPkt= k · A · tlog
Dabei wird für den betrachteten Zustand
vorausgesetzt, dass der Wärmedurchgangskoeffizient
k konstant ist.
Gleichzeitig gilt für die Wärmeströme:
dQPkt = mPkt· c P · dt
Mit Hilfe der oben dargestellten Gleichungen
für das betrachtete Produkt und die
geforderte Kühlleistung lässt sich die
Geometrie und die erforderliche wirksame
Wärmeaustauschfläche der Prozessschnecke
bestimmen. Die Drehzahl, als
wesentliche Prozessgröße, ist im bestimmten
Rahmen zu variieren. Die Drehzahl
korreliert umgekehrt proportional mit
der Verweilzeit und dem Füllungsgrad
des Produktes in der Schnecke bei gleichem
zufluss.
Aufgrund dieser relativ komplexen
Zusammenhänge ist der Hersteller für
die Dimensionierung einer Prozessschnecke
auf exakte Vorgaben vom
Kunden angewiesen. Bevor eine Prozessschnecke
dimensioniert werden kann,
müssen also die entsprechenden
Prozessparameter festgelegt werden. Sollten
einige Parameter unklar bleiben, müssen
Vorstudien und Versuche durchgeführt
werden, damit die Prozessschnecke
optimal auf die Anwendung
ausgelegt wird.
Ansprechpartner:
Dipl.-Ing. Thomas Neteler
Dipl.-Ing. Andre Bröring
SEGLER-Förderanlagen Maschinenfabrik GmbH
Fürstenauer Damm 9, 49626 Berge
Tel.: 0 54 35 9510 0 - Fax: 0 54 35 9510 33
E-Mail: neteler@segler-foerderanlagen.de
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